Prägung – was einem Kind vermittelt wird

Das Thema Prägung bei Kindern ist ein umfangreiches soziologisches und pädagogisches Thema. Was bedeutet der Begriff Prägung? Wie wirkt sich die Prägung auf das Kind aus und prägt man bewusst oder unbewusst? Wir werden in aller Kürze auf Fragen wie diese antworten.

Was ist “Prägung”
Prägung wirkt auf Kinder als Summe aller Eindrücke, die sie von den Menschen ihres Umfeldes erhalten. Diese Eindrücke können sowohl bewusst als auch unbewusst vermittelt werden und sind Teil der Erziehung im Sinn der Weitergabe von Normen und Wertvorstellungen sowie Ausdrücke der Gefühlswelt aller an der Prägung Beteiligten. Das Kleinkind zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr nimmt in dieser frühen Phase alle Eindrücke ganz objektiv auf.

Werden Mädchen und Jungen unterschiedlich geprägt?
Ja. Mädchen und Jungen werden durch die Rollenbilder ihrer Umwelt fokussiert behandelt. Ein Junge mit einem Puppenwagen, der liebevoll sein Püppchen füttert, ist selten zu sehen. Seit Längerem streiten sich Wissenschaftler ob dies an der männlichen Grundanlage oder an den prägenden Vorgaben liegt.
Jungs mit Spielzeugwaffen bewegen die Gemüter ebenso. Man nimmt inzwischen an, dass Jungen gerne mit knatternden Plastikpistolen spielen, weil Erwachsene auf diese Spielzeuge so herrlich berechenbar wie unterhaltsam reagieren: Es wird entsetzt geguckt, geschimpft, diskutiert und auch mitgespielt, in dem Erwachsene wie tot umfallen, wenn ein “Peng!” aus dem kindlichen Mund kommt.
Mädchen, die ihre Puppen an den Teetisch setzen, werden durch positive Verstärkung auf dieses dem gängigen Rollenbild entsprechendem Verhalten gestärkt.
Die Umwelt zeigt dem Kind also ihre Meinung zu verschiedenen Verhaltensweisen und prägt dadurch das Bild des Kindes von sich und den Geschlechterrollen mit.

Prägung für das spätere Leben
In extremen Beispielen verdeutlicht sich sehr gut, welche Auswirkungen Prägung haben kann: Eine labile Mutter, die von ihrem Leben überfordert die Verantwortung an das Kind weitergibt, legt die Weichen für ein Leben, in dem dieses Kind Verantwortung geradezu anzieht und bereit ist, diese für Andere auch über die eigenen Grenzen hinaus zu tragen.
Der Vater, der seinen Sohn nur mit Zuwendung bedenkt, wenn dieser gute Leistungen in der Schule erbringt, vermittelt den Leitsatz: “Anerkennung und Liebe musst du dir mit Leistung verdienen.”

Prägt man bewusst oder unbewusst?
Beides ist der Fall: Alles, das man selbst erfahren hat und nicht überdenkt, gibt man weiter. Die Prägung selbst kann bewusst oder eben auch unbewusst geschehen.
Wer du dein Kind zum Beispiel mit in die Kirche nimmst, zeigst du ihm, wie wichtig Gott in deinem Leben ist und vermittelst so deine religiösen Ansichten direkt und gewollt.
Der peinlich-betretene Blick, wenn die Tocher bei den Großeltern hingegen herausposaunt “Die Oma ist zu dick!”, ist ein gutes Beispiel für unbewußte Prägung.

Deutlich zeigt sich unbewußte Prägung auch bei der inzwischen veralteten Moralvorstellung, in der man im Kinderspiel alle Körperteile der Kleinen benannte, aber die Körpermitte und damit die Genitalien einfach aussparte – es wurde eben einfach nicht darüber gesprochen. Selbst etwas Unausgesprochenes prägt also,  denn die Kinder begriffen sehr wohl intuitiv, dass dieser Bereich mit einem Tabu belegt war, was ihren Umgang damit in ihrem gesamten Leben beeinflusste.

Kann ich Einfluss auf sie Prägung meines Kindes nehmen?
Ja, aber es ist nicht ganz einfach. Zunächst musst du reflektieren, was du mitgeben willst und auch, was dir an der eigenen Prägung nicht gefällt, schließlich überlegst du dir sehr genau, was du deinem Kind bewusst mitgeben möchstest. Dann überlege dir, auf welchem Weg du dieses Ziel erreichst. Es ist nicht völlig unproblematisch, seine Methoden ab und an zu verändern, wenn du beobachstest, dass dein Kind nicht so reagiert, wie du es dir vorgestellt hast. Deine Methoden müssen zum Kind passen und sorgfältig abgestimmt werden – nicht andersherum.

Wichtig ist es, dem Kind von Anfang an das Leben zuzutrauen- das soll heißen: jeder Mensch ist fähig, sich zu entfalten, kennenzulernen und einen Lebensweg zu beschreiten. Eltern sollten die Helfer sein, die Wegbegleiter und nicht einen Weg vorzeichnen, den das Kind abschreiten soll. Nach dem Motto “Umwege erweitern die Ortskenntnis” gehören auch Misserfolge; Liebeskummer, seltsame Frisuren, skurrile Freunde und abgebrochene Hobbies zur Entwicklung eines Menschen. Am besten gibt man seinem Kind das Gefühl der Entscheidungsfreiheit mit: Ich zeige dir als Orientierung, was ich wichtig finde, aber du selbst entscheidest, wie du deinen Weg gehen willst.

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    ...nee, da passt nix.

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