Trennungsangst

Papa Rick & Baby Tim

Als junger Elternteil ist Freizeit knapp. Tim kommt zuerst – na klar, er läßt ja auch nicht mit sich verhandeln.
Babyfreie Stunden bekommen plötzlich einen sehr hohen Stellenwert, einfach weil Zeit für einen selbst so selten ist. Wenn unser Tim um halb neun schläft, bleiben noch gut zwei Stunden zum lesen, Interweb surfen oder E-Mails schreiben. Wenn die Frau mit ihm im Einkaufszentrum unterwegs ist, kann ich einen wertvollen Mittagsschlaf nachholen, und wenn Tim mit mir im Park spazieren geht, kann sie ihre geliebten chinesischen Endlos-Serien schauen.
Normalerweise jedenfalls.

Seit dem neuen Jahr ist aber alles anders. Tim ist so unglaublich besorgt, dass Mama und Papa plötzlich weg sein könnten, dass er sich seit neuestem standhaft weigert, einzuschlafen. Dann besteht er entweder darauf, dass die Mama zugegen ist, oder ich, oder dass er in unserem Bett schlafen muss. Und selbst dann zögert er das Einschlafen solange wie möglich hinaus. Wenn er dann irgendwann doch schläft, dann nur ganz vorsichtig. Bei jedem kleinen Geräusch schreckt er auf und schaut, ob wir noch da sind.
Statt seiner gewohnten Bettzeit, halb neun, ist es nicht mehr selten, dass er erst gegen zehn oder später wegnickt.
Und morgens ist es auch nicht leichter. Anstatt wie gewohnt bis um neun zu schlafen, ist er oft schon munter, bevor ich mich zur Arbeit schleiche, so gegen sieben Uhr.

Unterwegs ist er auch sehr viel anhänglicher, als zuvor. Anstatt auf dem Weg zum Supermarkt vornweg zu sprinten, müssen nun unbedingt sowohl die Mama als auch ich seine Hand halten. Und das dabei mal einer von uns zu Hause bleibt, ist fast undenkbar.

Die Frau dreht wegen Schlafmangel inzwischen schon ganz schön am Rad, und bei mir stapeln sich die E-Mails. Und denkt mal nicht, diese Zeilen habe ich zu Hause geschrieben. Dazu käme ich doch garnicht. Nein, die entstanden auf Arbeit – da ist alles schön entspannt.

Tim’s Anhänglichkeit wird sich in ein paar Wochen schon wieder legen, zumindest hoffe ich das. Andererseits, vielleicht sollten wir die Zeit auch genießen; in ein paar Jahren wird er wohl nur noch selten was von uns wissen wollen.

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    ...nee, da passt nix.

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